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Spiritueller Impuls für den Monat Juni 2022

Gott ist einer, aber Gott ist nicht alleine

Liebe Frauenbundfrauen,

kaum ein kirchliches Fest ist bei Predigern so gefürchtet wie das Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit. Es wird immer am Sonntag nach Pfingsten gefeiert, also in diesem Jahr am 12. Juni. Es ist relativ einfach, über die anschaulichen Gleichnisse Jesu zu predigen. Die göttliche Dreieinigkeit hingegen gilt als ein unergründliches Geheimnis. Die Christen glauben an einen einzigen Gott und zugleich an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, also an drei Personen.

Alle Vergleiche der göttlichen Dreifaltigkeit mit unserer Erfahrungswelt hinken. Wer zum Beispiel die Heiligste Dreifaltigkeit mit einer Familie aus Vater, Mutter und Kind vergleicht, der hat zwar drei Personen, aber eben auch drei unterschiedliche Wesen. Einer Legende aus dem 14. Jahrhundert nach soll ein Kind am Mittelmeer dem heiligen Augustinus sinngemäß gesagt haben: „Eher schöpfe ich das ganze Meer mit einem Löffel in ein Sandloch, als dass du auch nur teilweise das Geheimnis der göttlichen Dreieinigkeit mit deinem Verstand erfassen kannst.“

Da es also schwierig ist, über die Dreifaltigkeit Gottes zu predigen, verwundert es nicht, dass ich bereits am Sonntag vor dem Dreifaltigkeitsfest einen Prediger traf, der sich schon sieben Tage vor dem Dreifaltigkeitssonntag Gedanken darüber machte, wie er dieses Geheimnis des Glaubens beschreiben sollte. Er machte einen, wie ich finde, wunderbaren Vorschlag: Er wollte die Dreieinigkeit Gottes mit drei Streichhölzern vergleichen, deren Flammen sich zu einem einzigen Feuer vereinen.

Jedes Bild für Gott ist ein hinkender Vergleich. Die Unähnlichkeit mit Gott ist viel größer als die Ähnlichkeit. Dennoch empfinde ich solche Metaphern hilfreich, mein Denken und Empfinden auf Gott auszurichten.

Die Überzeugung, dass Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist ist, stammt nicht, wie die Augustinus-Legende, aus dem 14. Jahrhundert, sondern ist bereits im 1. Jahrhundert Glaubensgut der Christen. Die vier Evangelien stimmen darin überein. In den darauffolgenden Jahrhunderten haben sich Kirchenväter wie der heilige Augustinus redlich bemüht, über die Beziehung der drei göttlichen Personen zueinander nachzudenken:

Gott ist einer, aber Gott ist nicht alleine. Gott ist Gemeinschaft: Aus Gott dem Vater geht ein Zweiter hervor, sein Sohn. Das Johannes-Evangelium spricht von „Zeugung“. Der Sohn ist dem Vater ebenbürtig und in allem gleich. Nur im Ursprung unterscheiden sich beide. Der Vater hat keinen anderen Ursprung als sich selbst, der Sohn hat seinen Ursprung im Vater. Vater und Sohn stehen in einer innigen Beziehung zueinander. Ihre Beziehung kann nur als Liebe bezeichnet werden. Sie ist so stark, dass sie selbst Gott ist, nämlich Gottes Heiliger Geist. Er hat seinen Ursprung, nach der Lehrtradition der lateinischen Kirche, im Vater und im Sohn.

Die heilige Therese von Lisieux sagte einmal: „Beten heißt nicht viel reden, sondern viel lieben.“ Ihren Ausspruch möchte ich mit Blick auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit Gottes gerne einmal umgestalten: Die wahre Verehrung des dreifaltigen Gottes besteht nicht darin, Gott verstehen zu wollen, sondern in ihm die dreifache Liebe zu entdecken: Den liebenden Ursprung von allem (Vater), den einzigartig Geliebten (Sohn) und die verbindende Liebe (Heiliger Geist). In diesem Sinne hatte der Evangelist Johannes in seinem Ersten Brief recht, wenn er die denkbar knappste Definition von Gott gegeben hat: „Gott ist die Liebe“.

Dr. Anselm Blumberg
Geistlicher Beirat

 

 

 

Spiritueller Impuls für den Monat April 2022

Wie treffe ich eine gute Entscheidung?

Liebe Frauenbundfrauen,

im Berufsalltag werden sie wie am Fließband getroffen: Entscheidungen. Es gibt aber auch Entscheidungen, für die man sich Zeit nehmen sollte. Es geht um Richtungsentscheidungen im Leben. Heute möchte ich mit Ihnen gleichsam die Zutaten einer gelungenen Entscheidung bedenken:

1.: Sammeln Sie so viele Daten wie möglich.

Sie können nur dann über etwas eine Entscheidung treffen, wenn Sie im Bilde sind. Dabei ist es wichtig, dass Sie sich nicht nur bei einer Quelle informieren. Machen Sie sich an verschiedenen Stellen schlau und hören Sie sich an verschiedenen Orten um.

2.: Suchen Sie Rat im Gespräch.

Verlassen Sie sich nicht nur auf schriftliche Infos im Internet, in Videos, Zeitschriften oder in Büchern, sondern suchen Sie das Gespräch, die direkte Begegnung. Nur ein Gegenüber kann Ihnen Rückmeldung geben. Wenn Sie Rat suchen, hören Sie nicht nur die Position eines einzigen Menschen. Sehr oft ist es hilfreich, eine zweite oder dritte Meinung einzuholen. Fragen Sie auch Leute, die vermutlich eine andere Meinung haben als Sie. Denn diese sehen Aspekte, die Sie selber leicht übersehen.

3.: Gehen Sie ins Gebet.

Bitten Sie Gott um Weisheit, dass Sie, nachdem Sie sich an unterschiedlichsten Stellen schlau gemacht haben, erkennen, wohin Gott Sie führen möchte. Haben Sie das Vertrauen, dass Gott für Sie einen guten Plan hat, der für Sie Glück und Leben bedeutet.

4.: Lasen Sie sich mit einer großen Entscheidung Zeit.

Große Lebensentscheidungen brauchen ein solides Fundament. Es ist wichtig, große Entscheidung zunächst im Herzen zu treffen und nach einigen Wochen nachzuspüren, ob der Friede im Herzen abnimmt oder wächst. Treffen Sie eine große Entscheidung nur, wenn Sie dabei Frieden verspüren.

5.: Gewähren Sie sich eine Probezeit.

So wie es vor der Ehe die Verlobungszeit gibt und vor den Ordensgelübden das Noviziat, so gibt es auch in anderen Bereichen des Lebens Schnupperphasen. Erlauben Sie sich, etwas probehalber zu beginnen. Binden Sie sich nicht sofort für viele Jahre. Nach einem halben Jahr Probezeit sehen Sie schon klarer.

6.: Setzen Sie sich einen Termin.

Wenn Sie nach einer Zeit der Überlegungen zu dem Ergebnis gekommen sind, dass Sie in die eine oder in die andere Richtung gehen möchten, dann machen Sie Nägel mit Köpfen! Bestimmen Sie ganz konkret einen Zeitpunkt, an dem Sie Ihr Vorhaben umsetzen werden. Denn im Herzen getroffene Entscheidungen müssen auch umgesetzt werden. Sonst wächst die innere Unruhe und der erlangte Frieden im Herzen wird gefährdet.

Ich wünsche Ihnen viel Mut und Gottes Segen für gute Entscheidungen!

Dr. Anselm Blumberg,
Geistlicher Beirat

(Dieser Impuls ist inspiriert durch ein Video aus der Reihe „90 Sekunden Hardfacts mit Johannes Hartl“.)

Spiritueller Impuls für den Monat März 2022

Frieden für die Ukraine!

Liebe Frauenbundfrauen,

noch nie habe ich als Diakon bei der heiligen Messe so bewusst zum Friedensgruß eingeladen, wie seit dem 24. Februar: „Schenkt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung“. Welch virulente Bedeutung hat doch der Friede in diesen Tagen des russischen Krieges in und gegen die Ukraine. Wenn ich abends die Nachrichten im Fernsehen verfolge, habe ich den Eindruck, dass ich mir einen Horrorfilm in Episoden ansehe. Jede Episode ist schlimmer als die vorangegangene. Im Gegensatz zu früher trage ich nun die täglichen Bilder der Nachrichten mit mir herum. Sie beschäftigen mich auch noch am darauf folgenden Tag. Der Krieg wird zu einem Faktor meines Lebens, besonders auch deshalb, weil ich vor dreizehneinhalb Jahren Land und Leute der Ukraine ein wenig kennen lernen durfte. Als der jetzige Rektor des Collegium Orientale, Dr. Oleksandr Petrynko, in seiner ukrainischen Heimatsiedlung Pidkamin 125 Kilometer östlich von Lemberg zum Priester geweiht wurde, durfte ich dabei sein. Ich konnte hautnah erleben, was für ein vitales, fröhliches, gastfreundliches und patriotisches Volk die Ukrainer sind.

Was bleibt mir in meinem Schmerz über dieses weinende und blutende Volk zu tun? Für mich als gläubiger Christ bleiben zwei Dinge: Zunächst empfehle ich die von Kriegsterror heimgesuchten Menschen dem „Gott des Friedens“ (Römerbrief 16,20) an. Er ist meine letzte Zuflucht angesichts einer übermächtigen militärischen Gewalt und der teuflischen Gier eines Despoten. Jesu Worte und eigenes Verhalten ermutigen mich dazu. Denn er lehrte seine Jünger: „Bittet und ihr werdet empfangen“. Er selbst betete im Todeskampf: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ (Lukas-Evangelium 23,46). Für mich ist dieses letzte Wort Jesu eine Aufmunterung: „Überlass das Wichtigste in deinem Leben, deine Herzensanliegen, dem Herrn! In seinen Händen sind sie gut aufgehoben.“

Außerdem bestehen in dieser Kriegszeit mehrere Möglichkeiten, aktiv zu werden: Ich kann mich mit den ukrainischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern solidarisieren, denen so viel Unrecht angetan wird. Ich kann mit Ukrainern Kontakt aufnehmen, die ich persönlich kenne, und ihnen mein Mitgefühl aussprechen. Ich kann an Kundgebungen gegen den russischen Krieg teilnehmen und auch die bereits angelaufene Nothilfe für die Ukraine mit einer Spende unterstützen.

Am Aschermittwoch, 2. März, hat die Fastenzeit begonnen. Sie ist die Vorbereitung auf das österliche Freudenfest. Wie schön, dass nicht nur das Weihnachtsfest, sondern auch das Osterfest ein Fest des Friedens ist. Schließlich lautet der erste Satz des von den Toten auferstandenen Jesus zu seinen Jüngern: „Friede sei mit euch!“ (Johannes-Evangelium 20,19)

Dr. Anselm Blumberg,
Geistlicher Beirat

Spiritueller Impuls für den Monat Februar 2022

Die Kirche auf dem Weg der Reue und der Buße

Liebe Frauenbundfrauen,

wie gut, dass das „Evangelium“ in jeder heiligen Messe verkündet wird und uns die Liturgie der Kirche auf diese Weise immer wieder die „gute Nachricht“ präsentiert. Dies ist besonders wichtig in Zeiten wie diesen, in denen so viele schlechte Nachrichten über einzelne Vertreter der Kirche die Runde machen.

235 Priester, Ordensmänner und hauptberufliche Mitarbeiter haben in den vergangenen 77 Jahren im Erzbistum München und Freising ihre Position als Seelsorger oder Erzieher schamlos ausgenutzt. Sie haben sich an 497 Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen vergriffen.

Diese Erkenntnis ist nun leider nicht ganz neu. Bereits vor gut drei Jahren, im September 2018, wurden horrende Missbrauchszahlen für die Katholische Kirche in Gesamtdeutschland auf den Tisch gelegt.

Erneut bewusst geworden ist uns dieser Skandal aber am Donnerstag, 20. Januar 2022, als eine Münchner Anwaltskanzlei ihr vom Erzbistum München und Freising in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten vorgelegt hat. Dieses Gutachten trifft uns Bayern besonders schmerzlich, da es sich hier um Missbrauchsfälle in unserer bayerischen Heimat handelt.

Ein Stachel im Fleisch ist dabei die Tatsache, dass auch unser bayerischer Papst Benedikt XVI. in seiner Amtszeit offenbar nicht genug getan hat, um sexuellen Missbrauch in seinem Erzbistum München und Freising zu verhindern. Die Spitze dieses Stachels ist jedoch die Tatsache, dass Papst Benedikt bereits im Dezember 2021 eine falsche Angabe gegenüber dieser Anwaltskanzlei gemacht hat.

Diese Vorfälle verstören uns alle, die wir uns der Katholischen Kirche zugehörig fühlen. Dennoch tun wir gut daran, angesichts dieser Erschütterungen besonnen zu bleiben. Wenn sich nach solchen Bombeneinschlägen der aufgewirbelte Staub wieder etwas gelegt hat, kann wieder klarer gesehen werden.

1.: Ich stelle die Frage: Wer hat das Recht, Papst Benedikt einen „Lügner“ zu nennen.

Wer lügt, der möchte den anderen vorsätzlich hinters Licht führen. Wer bin ich, dass ich eine solche böse Absicht dem 94-Jährigen unterstellen darf, ihm, der so schwach ist, dass er nicht einmal mehr verständlich sprechen kann. Wer Papst Benedikt kennt, der weiß, dass er sich auf keine krummen Touren einlässt. Ganz bewusst hatte er sich als Bischof den Wahlspruch gegeben: „Mitarbeiter der Wahrheit“. Ich bin davon überzeugt: Papst Benedikt hat sich geirrt. Aber er hat nicht die Welt belogen.

2.: Es ist sehr gut möglich, dass Papst Benedikt als Erzbischof von München und Freising Entscheidungen zu verantworten hat, die aus heutiger Sicht, nach 40 Jahren, unverantwortlich sind. Auch Erzbischof Joseph Ratzinger hat, wie seine drei Vorgänger und seine beiden Nachfolger, also alle Erzbischöfe des untersuchten Zeitraums, den sexuellen Missbrauch nicht zur Chefsache gemacht. Auch Erzbischof Ratzinger war wohl vor allem bemüht, den guten Ruf der Kirche zu schützen, und nicht zuerst das Leid der Opfer zu sehen.

Dies alles ist aber nur der eine Teil der Wahrheit:

Wahr ist auch, dass Joseph Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst äußerst konsequent gehandelt hat. Er hat bereits vor fast 21 Jahren im Vatikan einen Gerichtshof für Missbrauchsfälle eingerichtet. Dort wurden unter seiner Führung 384 schuldige Priester mit der strengsten Strafe für Kleriker belegt: Sie wurden aus dem Klerikerstand entfernt. Sie durften damit noch nicht einmal mehr privat eine Heilige Messe feiern.

Und schließlich hat Benedikt als erster Papst in der Geschichte sich mit Missbrauchsopfern getroffen. Auch dies gehört zur vollen Wahrheit, auch wenn dies zur Zeit nicht im Fokus der Berichterstattung steht.

3.: Das derzeitige Feuer, dass über die katholische Kirche hereingebrochen ist, birgt in sich eine große Chance. Die Kirche kann nun praktizieren, was sie selbst anderen mit Recht empfiehlt: Den Weg der Reue und der Buße. Das Schuldeingeständnis ist keine Schande. Es ist der erste Schritt eines Neuanfangs.

Heilig ist die Kirche nicht wegen ihrer Vertreter und Mitglieder. Die Kirche besteht immer aus Menschen, und Menschen sind immer in Gefahr, Fehler zu begehen, auch große Fehler. Heilig ist die Kirche wegen ihres Hauptes, Jesus Christus. Heilig ist die Kirche auch wegen ihrer Seele, dem Heiligen Geist, der die Kirche nie verlässt.

Genau für diesen Heiligen Geist öffnet sich die Kirche, wenn sie in aller Öffentlichkeit ihre Sünden eingesteht und ihren Kurs korrigiert.

Dr. Anselm Blumberg,
Geistlicher Beirat

Spiritueller Impuls für den Monat Januar 2022

Sie haben keinen Wein mehr

Liebe Frauenbundfrauen,

so etwas haben Sie bestimmt auch schon erlebt: Sie sitzen in einem Gasthaus, schauen sich die Tageskarte an, entscheiden sich dann aber für ein Gericht aus der allgemeinen Speisekarte, zum Beispiel für Zanderfilet. Und dann bekommen Sie von der Kellnerin oder dem Kellner die Antwort: „Das ist leider schon aus.“ Nach einer Schrecksekunde der Enttäuschung finden Sie aber relativ schnell eine Alternative, mit der Sie auch leben können.

In meinem Fall wäre das sicher Wienerschnitzel mit Pommes. :)

Bei der Hochzeit zu Kana geht auch etwas aus: „Sie haben keinen Wein mehr“. Das wäre sicher eine große Blamage für den Bräutigam geworden, dass er im Vorfeld nicht genug Wein für seine Hochzeit besorgt hat. Es wäre auch ärgerlich für die Hochzeitsgesellschaft geworden, wenn sie plötzlich auf dem Trockenen gesessen wäre.

Doch dieser Mangel an einem Getränk ist nicht der Grund, warum der Evangelist Johannes über die Hochzeit von Kana berichtet hat. „Sie haben keinen Wein mehr“. Diese Erfahrung ist grundlegend für Menschen und menschliche Gemeinschaften. Überall und immer wieder kann es geschehen, dass die Freude fehlt. Wenn die Freude fehlt, dann bleibt nur noch die Pflicht, Verdruss nimmt zu und führt zu Resignation. Wer beruflich über Jahre nur Verdruss erlebt, der droht irgendwann auszubrennen, ein „Burnout“ zu erleiden.

Freude zu haben oder nicht zu haben berührt also eine existenzielle Frage. Welche Sicht hat das Johannesevangelium darauf?

Eine zentrale Bedeutung für den Bericht über die Hochzeit von Kana hat Maria. Maria zeigt zunächst einen 7. Sinn für die Notlage. Als erste bemerkt sie, dass das Brautpaar demnächst in eine brenzlige Situation geraten wird. Sie weist ihren Sohn darauf hin. Nichts weiter. Sie macht ihm keinerlei konkrete Vorschläge, fordert ihn nicht auf, dies oder das zu tun. Sie benennt nur das Problem: „Sie haben keinen Wein mehr.“

Die Antwort Jesu bereitet den Hörern und Lesern des Johannes-Evangeliums seit Jahrhunderten Kopfzerbrechen: Warum weist Jesus seine Mutter so schroff ab?

Wie man auch immer diese Zurückweisung deutet: Eines fällt auf: Maria verhält sich völlig anders, als wir es erwarten. Sie verhält sich genau so, als ob Jesus gesagt hätte: „Ist gut, Mama. Ich kümmere mich darum.“ Genau zu dieser Antwort Jesu würde das Verhalten Marias passen: Sie bereitet die Hilfe vor, die von ihrem Sohn kommen wird.

So bereitet sie das Wunder vor.

Apropos Wunder: Interessanterweise bittet Maria ihren Sohn nicht um ein Wunder.

Maria lässt alles offen. Sie überlässt es ganz ihrem Sohn, wie er handeln will und wann er es tun will.

Dies ist in meinen Augen der entscheidende Punkt des ganzen Evangeliums. Jesus kann das große Wunder der Verwandlung wirken, weil er das ganze Vertrauen seiner Mutter hat. Daher ist es gut, wenn wir Gott nicht auf ein spezielles Wunder festlegen. Es ist besser, wenn wir Gott eine Notlage ganz in die Hand geben, wie es Maria getan hat. Dann geschieht mit Sicherheit ein Wunder. Dieses Wunder kann genauso aussehen, wie wir es gedacht haben. Aber das Wunder kann auch ganz anders aussehen, als wir es uns vorgestellt haben.

Dr. Anselm Blumberg,
Geistlicher Beirat