Liebe Frauenbundfrauen,
am Abend des Donnerstags, 8. Mai, am Freitag, 9. Mai und an dem Wochenende war es ein bestimmendes Thema in den Medien und auch in den Alltagsgesprächen: wir haben einen neuen Papst!
Bezeichnend war für mich der erste Satz, den Leo, der 14. von sich gegeben hat: „Der Friede sei mit euch allen!“ Der Friede ist also offenbar ein Herzensanliegen des neuen Kirchenoberhauptes. Und diesem Fokus hat er beim Salve Regina noch einmal Nachdruck verliehen. Er sagte: „Ich wende mich an die Großen der Welt, in dem ich den immer aktuellen Appell wiederhole: Nie wieder Krieg!“
Noch ist Papst Leo nicht offiziell in sein Amt eingeführt worden. Das wird erst am kommenden Sonntag der Fall sein, er hat also noch nicht seine Antrittspredigt gehalten. Daher nehme ich dies zum Anlass um festzustellen, dass auch sein Vorgänger, Papst Franziskus, ein Papst des Friedens war. Gerne erinnere ich in diesem Zusammenhang an ein paar Punkte, die zeigen, wie sich Papst Franziskus für den Frieden eingesetzt hat:
Wie sehr der Friede in der Welt ein Herzensanliegen von ihm war, offenbart sein Testament, das nach seinem Heimgang am Ostermontag geöffnet wurde. In diesem Testament, das er wenige Monate nach dem Überfall der russischen Armee auf die Ukraine verfasst hat, schreibt er folgendes als letzten Satz:
„Das Leiden, das ich im letzten Teil meines Lebens erfahren habe, habe ich dem Herrn für den Weltfrieden und die Geschwisterlichkeit unter den Völkern aufgeopfert.“
Dieser Satz hat mich sehr angerührt, als ich ihn am Abend des Ostermontags zum ersten Mal gehört habe. Wie beachtlich, dass der Heilige Vater für den Frieden in der Welt Opfer brachte.
Wie ein Augenzwinkern des Himmels war für mich die spontane Unterredung zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Präsidenten der Ukraine unmittelbar vor dem Requiem für Papst Franziskus. Von der überraschenden Offenheit Donald Trumps weiß niemand, wie beständig sie ist. Aber ausgerechnet im Petersdom hat er demjenigen 15 Minuten lang zugehört, dem er 2 Monate zuvor im Weißen Haus mehrfach das Wort abgeschnitten hatte. Nur vier Tage nach dem Gespräch im Petersdom wurde das Rohstoffabkommen zwischen den USA und der Ukraine, das Ende Februar gescheitert schien, unterzeichnet.
Für mich war das schon bezeichnend, dass ausgerechnet die Beerdigung von Papst Franziskus dazu beitrug, dass zumindest für einen Moment Hoffnung für die Ukraine aufkam.
Lasst mich an dieser Stelle noch schlaglichtartig einige Meilensteine nennen, die das Pontifikat von Papst Franziskus als ein Pontifikat des Friedens erweisen.
Schon bei seiner Wahl setzte Jorge Mario Bergoglio ein Zeichen: Er wählte als erster Papst überhaupt den Namen Franziskus – in Anlehnung an Franz von Assisi, den Freund der Armen und des Friedens. Dieser begegnete dem Sultan inmitten der Kreuzzüge, unbewaffnet, mit nichts ausgestattet als dem Evangelium.
Papst Franziskus sagte selbst über ihn und seine eigene Namenswahl: „Franziskus ist der Mann des Friedens. So ist mir der Name ins Herz gedrungen: Franz von Assisi.“
Papst Franziskus betonte immer wieder: Frieden ist untrennbar mit sozialer Gerechtigkeit verbunden. Solange Menschen hungern, ausgebeutet oder ausgegrenzt werden, kann kein dauerhafter Friede bestehen. Diese Überzeugung brachte der Papst auf vielfältige Weise zum Ausdruck: In seinem unermüdlichen Einsatz für Geflüchtete, für die Armen in den Slums dieser Welt und für indigene Völker im Amazonasgebiet.
Hier ein Beispiel ist seine interreligiöse Friedensarbeit: Im Jahr 2019 unterzeichnete er gemeinsam mit dem Großimam Ahmad al-Tayyeb in Abu Dhabi das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen“. Darin bekennen sich das Christentum und der Islam zur Gewaltlosigkeit, zur Religionsfreiheit und zur Zusammenarbeit für den Weltfrieden.
Gerne erinnere ich auch an symbolische Gesten des Friedens: 2014 lud er den israelischen Präsidenten Shimon Peres und den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zu einem Friedensgebet in den Vatikanischen Gärten ein. Im Jahr 2016 küsste er in Lesbos die Füße von Geflüchteten, um auf das Leid an den europäischen Außengrenzen aufmerksam zu machen. Und im Jahr 2021 reiste er als erster Papst überhaupt in den Irak – ein kriegszerstörtes Land, in dem Christen, Jesiden und auch sunnitische und schiitische Muslime als Minderheiten jahrzehntelang unter Gewalt litten. Dort sprach er über die Vergebung als Grundlage des Friedens.
Und noch ein Aspekt des Pontifikates von Papst Franziskus gehört unbedingt hierher: Der Friede mit der Schöpfung.
Franziskus hat das Thema Frieden erweitert: Menschen sollen nicht nur mit Menschen in Frieden leben, sondern auch mit der Erde. In seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si’“ ruft er zu einer „ganzheitlichen Ökologie“ auf. Klimakrise, Umweltzerstörung und Ausbeutung seien keine Randprobleme, sondern Gefahren für den globalen Frieden.
In Assisi sagte er im Jahr 2022: „Wir begreifen, dass der Schrei der Armen und der Schrei der Erde ein und derselbe Schrei sind.“ Für Franziskus war Umweltschutz immer auch Friedensarbeit, weil eine zerstörte Umwelt neue Konflikte schafft: um Wasser, Nahrung und Lebensraum.
Ich möchte schließen mit einem Gebet um Frieden, das Papst Franziskus im Juni 2014 im Beisein der Präsidenten Israels und Palästinas sprach:
„Herr, Gott des Friedens, erhöre unser Flehen!
Viele Male und über viele Jahre hin haben wir versucht, unsere Konflikte mit unseren Kräften und auch mit unseren Waffen zu lösen;
so viel vergossenes Blut;
so viele zerbrochene Leben;
so viele begrabene Hoffnungen…
Unsere Anstrengungen waren vergeblich.
Nun, Herr, hilf Du uns!
Schenke Du uns den Frieden, lehre Du uns den Frieden, führe Du uns zum Frieden!"
Amen
Ihr Diözesanbeirat Dr. Anselm Blumberg




