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Spiritueller Impuls des Monats November

Es überkam mich schon ein beklemmendes Gefühl, als ich unlängst von einer Person, die ich häufig treffe, die WhatsApp-Nachricht bekam: „Bin Corona-positiv getestet worden“. Und noch beklemmender wurde es, als diese Person dann wenige Minuten später nach meinen kompletten Kontaktdaten für das Gesundheitsamt fragte.
Hinter jedem Anruf, der von da an einging, vermutete ich die Gesundheitshüter. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis ich am Telefon hörte: „Sie sind eine Kontaktperson der Kategorie I. Ich muss Sie in häusliche Quarantäne schicken.“
So schnell kann sich die eigene Welt verändern. Ganz plötzlich steht ganz viel Zeit zur Verfügung. Nach einem Stoßgebet („Herr, lass mich diese Zeit als geschenkte Zeit annehmen und sie nach Deinen Wünschen nutzen“) griff ich erst einmal unwillkürlich nach dem Terminkalender. Termine wurden rausgestrichen, E-Mails mit Absagen verschickt.
In den folgenden Tagen habe ich mir eine neue Gewohnheit zugelegt: Täglich habe ich mich über den Gesundheitszustand dessen informiert, der an COVID-19 erkrankt war, und mit dem ich in den Tagen vor seiner WhatsApp an einer Sitzung teilgenommen hatte. So regelmäßig hatte ich mit dieser Person zuvor noch nicht kommuniziert. Die Infektion wurde zu einem Anlass, unsere Verbindung zu stärken, ihr freundschaftliche Züge zu geben.
Die Quarantäne war für mich auch eine Zeit, in der mir der Wert der Solidarität neu bewusst wurde. Nicht für mich bin ich in Quarantäne gegangen, sondern für andere: Damit ich niemanden mit dem Virus infizieren kann, der 2 % seiner Träger in den Tod führt, Anfang November ca. 160 Menschen in Deutschland pro Tag.
Das Maß der eingeforderten und geleisteten Solidarität wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass ich meine Quarantäne nur auf COVID-19-Verdacht hin ableistete. Denn auch nach meinem negativen Testergebnis sollte ich in Isolation verbleiben für den Fall, dass das Virus – trotz negativem Befund – unerkannt in mir schlummerte. Dieses hohe Maß der Achtsamkeit für das Wohl anderer empfand ich als wertvoll.
Und noch ein Drittes empfand ich als Segen. In dieser Zeit hatte ich keine Termine wahrzunehmen, konnte ausschlafen und ganz regelmäßig beten. Die Laudes betete ich wirklich früh am Morgen, die Vesper wirklich am Abend und nicht zwischendurch, wenn es der Terminkalender gerade erlaubte. Mein Leben gewann also in letzter Zeit an Ruhe und Struktur.

Was ich als erstes tat, als meine Quarantäne vor wenigen Tagen endete? Ein Stoßgebet habe ich zum Himmel geschickt und Gott gedankt, dass er mir die wertvolle Erfahrung der Freundschaft, der Solidarität und der Entschleunigung geschenkt hat.

Dr. Anselm Blumberg
Geistlicher Beirat

Spiritueller Impuls Oktober 2020

Liebe Frauenbundfrauen,
wer am Kirchweihsonntag oder -montag an der Kirche St. Walburg in Eichstätt vorbeigekommen ist, hat vielleicht die Fahne bemerkt, die aus dem Kirchturmfenster wehte. Es ist eine sogenannte Zachäusfahne und erinnert an die Begegnung des Oberzöllners Zachäus mit Jesus. Der Bericht über diese Begegnung wird an Kirchweih häufig als Evangelium vorgetragen. Es ist die Geschichte einer Heilung, einer inneren Heilung.

Zachäus hatte die leise Hoffnung, dass Jesus, der keine Vorurteile gegen Menschen
hegte, sondern die Menschenwürde eines jeden Menschen als Ebenbild Gottes achtete, auch ihn, den Oberwucherer, den Berufssünder, nicht verurteilen wird.

Und es geschieht das Wunderbare: Jesus bleibt unter dem Baum stehen, auf den Zachäus geklettert war, um Jesus zu sehen, und ruft Zachäus in seine Nähe. Überwältigt von dieser Menschenfreundlichkeit Jesu, schlägt er einen ganz neuen Lebensweg ein. Er möchte seinen Reichtum halbieren und sein Vermögen mit den Armen teilen. Von Herzen bereut er, dass er Menschen finanziell ausgebeutet hat. Das Vierfache möchte er ihnen erstatten. An diesem Tag ist das Reich Gottes für Zachäus angebrochen.

Und wir? Wie kann das Reich Gottes in unserem Leben wachsen und stark werden? Es gäbe unzählig viele Beispiele zu nennen, wie sich auch in unserem Leben Gottes
Herrschaft ausbreiten kann. Ich möchte an dieser Stelle nur drei Beispiele nennen:

Wenn wir einer Familie in einer schwierigen Situation helfen, ein Kind anzunehmen, das sich unerwartet angekündigt hat, bricht die Herrschaft Gottes an. Wer sich einer Mutter oder einer Familie zuwendet, die am Abgrund der Entscheidung für oder gegen ein neues Familienmitglied steht, wer Anteil an den bedrückenden Sorgen nimmt und konkrete Hilfe zusagt, der lässt das Reich Gottes auf dieser Erde wachsen.

Eine andere Art und Weise, das Reich Gottes auf dieser Erde groß werden zu lassen,
habe ich neulich bei einem Trauergespräch kennen gelernt. Am Ende des Gesprächs sagten mir die beiden Söhne des Verstorbenen: „Unser Vater lebte nach dem Grundsatz: Wenn Du über einen anderen nichts Gutes zu sagen hast, sag lieber gar nichts über ihn.“ Es ist ein großes Werk der Nächstenliebe, wenn wir über die Fehler unserer Mitmenschen gütig hinwegsehen und sie mit dem Mantel des Schweigens bedecken.

Und noch ein einfaches Werkzeug gibt es, das hilft, Gott Raum zu geben auf dieser Erde und diese Erde dadurch schöner und reicher zu machen. Ich empfehle es immer den Taufpatinnen und Taufpaten, wenn ich Kinder taufe: Es ist das Gebet für einander.

Das Gebet muss nicht lange sein. Ich verspreche allen Taufpaten: Wenn Ihr jeden Abend vor dem Zubettgehen oder kurz vor dem Einschlafen sprecht: „Guter Gott, schütze mein Patenkind und segne es!“, dann braucht Ihr euch keine Sorgen um die Zukunft Eurer Patenkinder zu machen. Gott wird Euer Patenkind segnen.“

Dr. Anselm Blumberg
Geistlicher Beirat