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Rückblick

Veranstaltungen 2017

Zweigverein Hilpoltstein
Pfarrer Rainer-Maria Schießler

 

ZV Hilpoltstein Pfr. Schießler

Zweigverein Hilpoltstein - Rainer-Maria Schießler in Hilpoltstein
Einer der bekanntesten Kirchenmänner Deutschlands

1300 Euro für „Orienthilfe e.V.“

HILPOLTSTEIN (bus) / (rod) — Einer der bekanntesten Kirchenmänner in Deutschland, der in München wirkende Pfarrer Rainer-Maria Schießler stellte auf Einladung des Zweigvereins Hilpoltstein im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) in der mit mehr als 350 Personen absolut ausverkauften Stadthalle sein Buch mit dem Titel „Himmel, Herrgott, Sakrament“ vor. Um gleich alle Unklarheiten auszuräumen, betonte der Geistliche eingangs, dass der Buchtitel keineswegs ein in Oberbayern (und nicht nur dort) geläufiger Fluch sei, sondern den Weg zum Himmel, in dem der Herrgott auf uns warte und der über die Sakramente führe, beschreibe. Deshalb trage das Buch auch den Untertitel „Auftreten statt austreten“.

Die Vorsitzende des KDFB Hilpoltstein, Marianne Herzog freute sich, dass so viele Gäste in die Stadthalle gekommen seien und dankte den Vertretern der Katholischen Erwachsenenbildung mit Sitz in Neumarkt/Opf., durch die dieser Abend erst möglich geworden sei.

In seinen – oftmals mit lustigen Anekdoten begleiteten – Ausführungen betonte Pfarrer Schießler, dass es ihm in einer Zeit, in der sehr viele Menschen die katholische Kirche verlassen würden, gelänge, seine beiden Kirchengemeinden (St. Maximilian und Heilig Geist) für den Glauben zu begeistern. Hierbei sei es ganz wichtig, Klartext zu reden und die oft steifen Aussagen der theologischen Texte in verständliche Sprache zu übersetzen. Seine Gottesdienste fänden nahezu immer vor vollem Haus statt. Seine leidenschaftlichen Predigten würden oft spontan beklatscht. Hierbei pflege er einen ganz eigenen Stil, indem er beispielsweise am Heiligabend Sekt ausschenke und sich von einem DJ begleiten lasse – schließlich feiere man den Geburtstag Jesu Christi. Weiter betonte er, dass die Kirche, wolle sie sprachfähig und auch glaubwürdig bleiben, Temperamente wie ihn bräuchte. Er schaffe es oftmals, dass die Gläubigen lachend aus dem Gotteshaus kommen und somit die Aufmerksamkeit Vorbeigehenden finden würden. Diese würden oft sagen, dass es dort etwas geben müssen, das zufrieden, ja sogar lustig mache. Er wolle die Menschen an die Kirche heranführen und – wenn möglich – auch dort halten.

Auch wenn – besonders an den hohen kirchlichen Feiertagen – viele nur einmalig kämen, die er dann schon mal mit den Worten „Schön, dass ihr wieder da seid, wir haben uns schon seit einem Jahr nicht mehr gesehen“, begrüße, habe er noch nie den Fall gehabt, dass sich jemand beschwert habe, oder sich ungebührlich benommen habe. Er finde, dass man jeden so nehmen müsse, wie er ist – auch wenn er (oder sie) nicht weiß, wann man stehen oder knieen soll. Manchmal werde er auch gefragt, was er während der Woche mit dem Weihwassersprenger – einem bürsten-ähnlichem Gerät – mache.

Die Lacher auf seiner Seite hatte Schießler, als er die Geschichte von einem Bauern erzählte, dessen Frau ihr drittes Kind bekam, das außerordentlich hässlich war. Voll Wut fragte er seine Frau, von wem das Kind sei – „dieses ist sicher von dir“, antwortete diese.

Bei den Gottesdiensten versuche er immer, auf die Menschen zuzugehen und betonte hierbei: „Christsein ist auch eine Einladung!“ Sodann erzählte er, wie er – vor einigen Jahren – in seiner Kirche beobachtet habe, dass ein Mann mit Hund regelmäßig komme. Nach einiger Zeit fasste er sich ein Herz und fragte diesen, der offensichtlich kein Buch nahm, um zu beten, was er hier mache. Dieser antwortete ihm: „ER ist hier und ICH bin hier, das genügt“. Nach einiger Zeit erzählte er ihm, dass er vor Jahren einen Schlaganfall erlitten habe, jedoch alleine zu Hause gewesen sei. Zwar sei sein Telefon fast in Reichweite gewesen, jedoch konnte er seinen Arm nicht bewegen, um es zu nehmen. Er habe Gott geben, ihm doch zu helfen – und tatsächlich kam jemand seiner Angehörigen früher als sonst nach Hause und er bekam rechtzeitig Hilfe.

Pfarrer Schießler betonte, dass Kirche vor Ort stattfinden müsse und nicht in Rom. Ich lasse die Leute spüren, dass ich da bin und rede, „wie mir der Schnabel gewachsen ist“. Theologische Texte müssten in „unsere Sprache“ umgesetzt werden. Der Auftrag eines Pfarrers sei, den Kontakt mit den Menschen herzustellen – hierbei gäbe es niemanden, der perfekt sei. Ein Gottesdienst sei eine zwecklose Veranstaltung. Beten sei Trost und Demut zugleich. Als er das erste Mal die Erstkommunion mit behinderten Kindern gefeiert habe, sei dies für ihn ein einschneidendes Erlebnis gewesen.

Für einen seiner Weihnachtspfarrbriefe habe er eine Karikatur entdeckt, in der Josef angesichts des Heiligenscheins von Jesus Maria die Frage stellte: „Leuchtet das Kind jetzt die ganze Nacht?“ Auch habe er in seiner Pfarrgemeinde das Hirtenspiel in die heutige Zeit versetzt: Josef ein schwerreicher Geschäftsmann, der dennoch kein Hotel für sich und die hochschwangere Maria findet, hat Angst, dass ihnen das Kind durch das Jugendamt weggenommen wird, weil sie in einem Schuppen hausen.

„Weshalb waren es Frauen, die das leere Grab am Ostermorgen als erste fanden? – Weil es so alle am schnellsten erfahren haben!“

Die Kirche sei eine besondere Beziehung zu Gott – nicht steif, aber doch mit Regeln, die eingehalten werden müssen, die aber auch locker ausgelegt werden können. Das Zölibat sei eine Liebesbeziehung zu Gott und genauso ein Abenteuer wie die Ehe. Auch sei es seiner Ansicht nach nicht mehr möglich den sonntäglichen Kirchgang durch die Sonntagspflicht festzulegen – die Menschen müssten von sich auskommen. Dennoch müsse man jeden Kirchenaustritt ernstnehmen. Man müsse die Leute mögen, dann sei man als Pfarrer auf dem richtigen Weg. Er sei froh, dass er immer von Menschen umgeben gewesen sei, die ihm „Himmel, Herrgott, Sakrament“ vorgelebt hätten.

Zum Schluss seines Vortrags sagte Rainer-Maria Schießler, dass er zwar viel erzählt habe – und nichts aus seinem Buch vorgelesen habe. Dennoch sei die Zeit „wie im Flug“ vergangen.

Zusammen mit ihrer Stellvertreterin Renate Stark überreichte Marianne Herzog an Rainer-Maria Schießler den Reinerlös des Abends als symbolischen Scheck über einen Betrag in Höhe von 1300 Euro, den dieser an Christian Springer für dessen Verein „Orienthilfe e.V.“ weiterleitet. Herzog dankte Schießler für einen kurzweiligen Abend, den die Besucher mit langanhaltendem Beifall belohnt hatten.

 

Die Bilder zeigen Situationen des Abends und die Scheckübergabe.       
Foto: BUS/ROD