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08.05.2017

„Amt und Charisma bei Mann und bei Frau“ Ältester Frauenbund der Diözese Eichstätt feiert 110-jähriges Jubiläum

Cäcilia Schmaus, Ursula Schmidt, Angela Lang, HH Bischof Gregor Maria Hanke OSB, Dr. Regina Schnell, Franziska Geier, Maria Rottmüller, Gundi Schneck, Simona Rottenkolber. Foto: Franz Rottenkolber

Am vergangenen Samstag feierte mit Ingolstadt Mitte der älteste Zweigverein des KDFB-Diözesanverbands Eichstätt sein 110-jähriges Jubiläum. Zahlreiche Frauenbund-Frauen aus der gesamten Diözese Eichstätt sowie Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft waren zu einem Pontifikalgottesdienst in die Asamkirche Maria de Victoria und zum Festakt im Spiegelsaal des Kolpinghauses nach Ingolstadt gekommen.

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, der bei dem Pontifikalgottesdienst vom Geistlichen Beirat Dekan Bernhard Oswald assistiert wurde, beglückwünschte den Ingolstädter Frauenbund zu seinem hohen Alter und ermutigte, den Verein weiter am Leben zu erhalten und auch junge Frauen für seine Ideen zu begeistern. In seiner Predigt umriss Bischof Hanke das Frauenbild während der letzten 110 Jahre und wagte einen Blick in die Zukunft, in der die Christen sich zu einer „Minorität“ entwickelt hätten. Bischof Hanke lobte die Frau und ihr Engagement; ihr Durchstehen in harten Zeiten, ihre Treue und ihr „unglaubliches Potenzial der Hoffnung“ bezeichnete er als die „Charismen der Frau“. Hanke beschrieb die Rolle des Mannes und die der Frau als Gegensatz: Der Mann sei oft zu sehr in seiner „Macherrolle“ gefangen, während die Frau in sich einen „kostbaren Schatz“ habe, der Leben und das Empfangen sei. Auch die Bibel beschreibe dieses Charisma der Frau. Die Ausführungen des Bischofs hätten nicht perfekter platziert sein können, denn das barocke Deckenfresko im ehemaligen Oratorium der Akademischen Marianischen Kongregation Mariä Verkündigung bildet inmitten einer prächtigen Tempelarchitektur Maria als die unbefleckte Gottesmutter ab, wie sie den Gnadenstrahl und damit Christus empfängt, und um sie herum zahlreiche weitere Sinnbilder auf ihre Charaktereigenschaften. Mit seinem Statement „Amt und Charisma ergänzen sich“ leitete Bischof Hanke zur Gegenwart über. In dieser sieht er die Rolle der Frau „in der Sendung hin und mit der Kirche“, zudem solle die Frau in kirchlichen Leitungsfunktionen gefördert werden.

Beim Festakt standen die Gründungsgeschichte und der Vereinszweck „Förderung der Frauenbewegung auf allen Gebieten nach katholischen Grundsätzen“ im Mittelpunkt der Grußworte. Bürgermeister Albert Wittmann würdigte den Anteil, den der Frauenbund Ingolstadt Mitte am gesellschaftlichen Leben, an caritativen Verdiensten und am christlichen Glauben Ingolstadts habe. Die Gleichberechtigung sah er auf sehr gutem Weg. Während etwa 1977 eine verheiratete Frau noch die Zustimmung des Mannes benötigte, um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, ist heute eine Berufsausbildung für Mädchen selbstverständlich. Zudem verwies er auf den Anteil von Frauen in politischen Ämtern Ingolstadts, was mittlerweile ebenso normal sei, denn: „Leistung zählt und nicht das Geschlecht!“

Die KDFB-Diözesanvorsitzende Rosalinde Göppel zitierte wie Albert Wittmann den Kapuzinerpater Benno Auracher, der in der Gründungsphase des Vereins eine programmatische Rede gehalten hatte: „Wir wollen aus Frauen nicht halbe Männer, sondern ganze Frauen machen!“ Die Diözesanvorsitzende ermutigte Bischof Hanke, einen Schritt seines Statements „Amt und Charisma ergänzen sich“ weiter zu gehen. Amt und Charisma ergänzen sich nicht nur, sondern sie gehören zusammen, und so plädierte sie: „Amt und Charisma gehören zusammen – und zwar gleichberechtigt bei Mann und bei Frau“.

Zum Abschluss ließ der Frauenbund Ingolstadt Mitte seine 110 Jahre Vereinsgeschichte Revue passieren. Die erste Vorsitzende, die promovierte Schulpädagogin Regina Schnell, äußerte in ihren Dankesworten, die patriarchalischen Strukturen der katholischen Kirche mögen gänzlich fallen. Papst Franziskus habe ein hoffnungsvolles Zeichen gesetzt, indem er 2016 die Studienkommission zum Diakonat der Frau eingesetzt habe. Gleichberechtigung der Frau bedeute, gleichberechtigte Teilhabe am Amt der Verkündigung.   

 

Christina Grimminger